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Schulmedizin und Naturheilkunde - Gegensatz oder Bereicherung?
In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts EMNID
im Juli 2017 bevorzugten 80 Prozent der Bevölkerung naturheilkundliche Produkte und Homöopathika. Eine Präferenz für chemische Arzneimittel hatten dagegen nur 12 Prozent. Als Vorteile biete die Naturheilkunde weniger oder schwächere Nebenwirkungen, gute oder bessere Verträglichkeit oder sogar keine Nebenwirkungen. 82 Prozent sprachen der Naturheilkunde eine Heilung der Krankheit zu. Die Bevölkerung hegt eine ausgeprägte Zuneigung zu alternativen Heilverfahren und Naturheilmitteln. Bei welchen Erkrankungen ist es denn sinnvoll, Naturheilverfahren einzusetzen? Und wann muß schulmedizinisch behandelt werden?
Dr. Rüthemann: Die Schulmedizin ist äußerst effektiv bei lebensbedrohlichen Zuständen und Notfällen. In diesen Bereichen ist sie heute nicht mehr wegzudenken. Weniger erfolgreich ist sie in der Behandlung
chronischer Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen. Hier kann die Naturheilkunde sinnvoll ergänzend eingreifen.
In der EMNID-Studie
waren 80 Prozent der Bevölkerung davon überzeugt, daß sich schulmedizinische und naturheilkundliche Ansätze ergänzen können. Aber gibt es da nicht immer noch Reibereien zwischen Schulmedizinern und Naturheilkundlern?
Dr. Rüthemann: Diese Reibereien sind heute glücklicherweise nicht mehr so häufig wie noch vor einigen Jahren. Die Zahl der praktizierenden Ärzte für Naturheilverfahren nimmt ständig zu und auch seriöse Institutionen
kümmern sich mittlerweile um die Ausbildung der naturheilkundlich interessierten Ärzte, so daß auch ein hohes Niveau garantiert ist. Schulmedizin und Naturheilkunde sind heute kein Gegensatz mehr. Idealerweise werden sie
gemeinsam verantwortlich ausgeübt. Dann ergänzen sie sich optimal - zum Wohle des Patienten.
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